Portfolio

(16) System: Diamond

powder coated stainless steel, satined plexiglass, LED

200 x 320 cm

Wem die Historie Röthenbachs geläufig ist, verbindet die anthrazit pulverbeschichteten Metallstäbe der Skulptur mit den Graphitelektroden-Stäben, durch deren Herstellung die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr. Dieser ging mit einer sozialen Stadtplanung und einem großflächigen Siedlungsbau einher, für dessen Vorplatz die Lichtskulptur von Lena Policzka entwickelt wurde.

Die Illuminierung versteht sich als bildhafte Reminiszenz an die Graphitelektroden, die in Kohlebogenlampen ihre Verwendung fanden. Darin berühren sich die Stäbe knapp nicht, entfachen aber unter Strom einen gleißend hellen Lichtbogen. Formal überbrückt das Licht den physischen Spalt und schließt optisch die stabile Gitterkonstruktion. Diese visuelle Erfahrung erinnert an die Funktionsweisen von Synapsen in den menschlichen Nervenzellen. Impulse werden über die Nervenbahnen transportiert, münden in den Endpunkt einer Nervenleitung und werden über den synaptischen Spalt auf die nächste Nervenzelle weitergeleitet. Der Graphit-Lichtbogen fungiert so innerhalb der Skulptur als eine Art Licht-Synapse und soll gesellschaftliche Leitbilder symbolisieren: Gedankenaustausch und Innovation, Interaktion zwischen Menschen und gemeinsames Weiterdenken.

Trotz der Größe von 3,2m erschließt sich dem Betrachter durch die Gitterstruktur auch eine molekulare Relation. Erinnert doch die technische Erscheinung der Skulptur an ein chemisches 3D-Schaubild einer hexagonalen Graphitkristallformation. Die skulpturale Darstellung der Leitbilder als Kristallsystem soll ihrer tiefgreifenden Rollen Rechnung tragen.